Page 10 - Quarnbek 59
P. 10
10 CHRONIK
freie Wirtschaft lockte Vereinsausflügler und Kegelbrüder
wahrscheinlich weniger.
Inzwischen sind die meisten der genannten Gasthöfe ge-
schlossen, auch die Schleuse in Strohbrück, auf dem Ach-
terwehrer Schifffahrtskanal und auf dem Westensee gibt
es keine gewerblichen Ausflugsfahrten mehr. Dafür ist ein
anderer Aspekt im Laufe der Zeit wichtiger geworden, der
des Natur- und Landschaftsschutzes. Bereits 1949 wurde ein
Teilbereich von 50 qkm Größe im Gebiet Westensee unter
Landschaftsschutz gestellt.
Der damalige Naturschutzbeauftragte des Kreises Rends-
burg Hartwig von Hedemann-Heespen auf Deutsch-Nienhof
schrieb im Rendsburger Jahrbuch 1951 fast poetisch: „Die
6. Lindenkrug Flemhude – Detail aus der Karte von 1905 Schönheit dieser Landschaft … beruht nicht in der Erha-
benheit einer Gebirgslandschaft oder der fast bedrückenden
Der Lindenkrug war bis 1932 im Besitz des Gutes Quarnbek, Weite des Meeres mit seinem nimmer ruhenden Ansturm der
das die Krugstelle verpachtete. Nachdem das Gut 1902 von Wogen an unseren Küsten, sie stellt den weiten Ebenen der
Oscar Alexander Milberg erworben worden war, veränder- Marsch und des schleswig-holsteinischen Mittelrückens die
te sich der Charakter der Gastwirtschaft. In einer Akte aus Reize einer Ruhe und Beschaulichkeit atmenden Parkland-
dem Gutsarchiv Quarnbek im Landesarchiv in Schleswig schaft entgegen“ (S.117). Er nennt die vielen Seen Glanz-
(LASH Abt. 126.11 Nr. 103) befindet sich neben diversem punkte, hebt die besondere Vereinigung von Wald, Wasser
Schriftverkehr ein Auszug aus dem „Statut des Ländlichen und sanften Höhen hervor, nennt die malerischen Wolkenbil-
Wohlfahrtsvereins e.G.m.b.H. zu Flemhude“ von 1904. In dungen und Sonnenuntergänge beglückend. „So bildet das
§ 2 heißt es: Der Gegenstand des Unternehmens ist die För- Landschaftsschutzgebiet um den Westensee eine Vereinigung
derung und Pflege der Wohlfahrt der Mitglieder und ihrer unzähliger Reize, malerisch und lieblich, eine Fundgrube für
Angehörigen, insbesondere durch: jedes empfängliche Gemüt, nicht zuletzt für den Maler und
1. Verwaltung eines Vereinshauses mit Lesezimmer und den Fotografen, wohl wert des liebevollsten Schutzes aller
dgl.m., derjenigen, die es besuchen und genießen dürfen“ (S.118).
2. Betrieb einer alkoholfreien Gastwirtschaft, Angemerkt sei, dass auf Beschluss des Kreises von 1969 der
3. Betrieb einer Kolonialwarenhandlung Naturpark Westensee mit einer Fläche von 250 qkm einge-
Der Pachtvertrag mit dem Gutsbesitzer Milberg war am 14. richtet wurde. Im Dezember 2016 übernahm der Verein „Na-
Dezember 1904 geschlossen worden mit der Aufl age, „dass turpark Westensee-Obere Eider e.V.“ die Trägerschaft vom
in dem Wirtshause geistige Getränke nicht verschenkt (!) Kreis Rendsburg-Eckernförde. Seine Geschäftsstelle hat
werden durften.“ Im Januar 1908 schrieb der Quarnbeker der Verein inzwischen in Felde. Auch der Tourismusverein
Gutsinspektor Jensen u.a.: „Die Einrichtung der alkoholfrei- Nortorfer Land und Naturpark Westensee e.V. in Nortorf ist
en Wirtschaft hat unzweifelhaft segensreich gewirkt und zwar ein wichtiger Ansprechpartner für Besucher der Region zwi-
gleichzeitig mit der Einrichtung eine(r) Old (Odd) Fellow schen Nord-Ostsee-Kanal, Eider, Westensee und Umgebung.
Loge, welche in dem Wirts-
haus ihre Versammlungen ab-
hält.“ Weil aber die Geschäfte
des Wohlfahrtsvereins sich
nicht besonders gut entwickel-
ten, schlug Jensen zugleich
vor, die beschränkte Konzes-
sion für den Ausschank zu
erweitern. Das aber lehnten
die Exekutoren Graf zu Rant-
zau und Graf von Waldersee
umgehend ab, weil das zu
den Absichten des 1906 ver-
storbenen Quarnbeker Fidei -
kommisstifters O. A. Milberg
im Widerspruch stünde.
Die Geschichte dieses Wohl-
fahrtvereins und der Odd
Fellow Loge in Flemhude
7. Blick auf den Westensee im Mai
soll Thema eines weiteren
Artikels sein, doch dieser kleine Exkurs erklärt vielleicht, Text und Buntfoto: Gerlind Lind
warum der Lindenkrug in der Anfangszeit des Ausfl ugsver- Quelle der übrigen Abbildungen: Archiv der AG Dorfchro-
kehrs in der Region um den Westensee im Gegensatz zum nik der Gemeinde Quarnbek (1, 2, 5, 6), Familie Hübener-
Flemhuder Bahnhof keine Erwähnung fand. Eine alkohol- Schmidt/Heinze (3, 4)

