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              Auf der Schattenseite der „Bauernbefreiung“: Die Rajensdorfer Famlie Brocks

              Mit dem Begriff „Bauernbefreiung“ ist das Wesen der Um-  schen Hufe gehörenden Viehbergskoppel benutzt. Der ent-
              wälzungen in den Dörfern der holsteinischen Güter um die  standene Trampelpfad hatte den Ernteertrag gemindert und
              Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert nur unzureichend be-  dadurch waren Entschädigungsansprüche aktenkundig ge-
              schrieben. Die Bauernbefreiung brachte das Ende der „Bin-  worden. 1782 war dem Hufner die erste Frau, mit der er drei
              dung an die Scholle“. Bauern und Gesinde konnten sich nun  Töchter hatte, gestorben. Um 1784 heiratete er die 28 Jahre
              frei im Land Arbeit und Wohnung suchen. Auch die Geneh-  jüngere Elisabeth Thode, eine Tochter des Insten Jürgen Hin-
              migung des Gutsherrn zu einer Heirat musste nicht mehr ein-  rich  Thode vom Klinck bei Stampe. Das Ehepaar hatte
              geholt werden. Von mindestens genauso großer Bedeutung  14 Kinder.
              war die Reform der Wirtschaftsweise in den Gutsdörfern.  Der von vielen ersehnte Augenblick der wirtschaftlichen
              Vorher bestand die  Aufgabe der bäuerlichen Höfe, den  Selbstständigkeit kam für Claus Brocks und alle Stellenin-
                Hufen, innerhalb der adligen Güter darin, Arbeitkräfte für  haber im adligen Gut Quarnbek am 1. Mai des Jahres 1797.
              den Gutsbetrieb bereitzustellen. Ein eigenes wirtschaftliches  Am 15. Juni 1796 waren die Verträge in Warleberg den ver-
              Risiko trugen sie nicht. Mit der Agrarreform wurden sie zu  sammelten zukünftigen Pächtern vorgelesen worden, am
              weitgehend unternehmerisch selbstständigen Wirtschaftsbe-  17. Dezember hatte der Erbherr auf Quarnbek, Graf Heinrich
              trieben. Mit der Geschichte der Hufnerfamilie Brocks aus  XLIII. Reuß, in Altona die Verträge unterschrieben und am
              Rajensdorf  soll ein Blick auf die Schattenseite dieser Errun-  23. Dezember setzte der 61jährige Claus Brocks schließlich
              genschaften geworfen  werden.                         sein Namenszeichen unter seinen Vertrag. Die Laufzeit der
              Claus Brocks wurde am 22. Oktober 1735 in Rajensdorf ge-  Quarnbeker  Verträge betrug die für Zeitpachtverträge in
              boren. Die Eintragungen im Flemhuder Kirchenbuch legen  Holstein ungewöhnlich lange Dauer von 30 Jahren. In den
              nahe, dass schon Vater Hans Hinrich und Großvater Claus  umliegenden Gütern wurde meist nur auf zehn Jahre ver-
              Hufner in Rajensdorf waren. Auch in der Zeit der Leibeigen-  pachtet.
              schaft war es üblich, dass die Hufen in der Familie weiter ge-  Als Pächter einer der vier Vollhufen mit 76 Tonnen 7 Schipp,
              geben wurden. 1780 wird Claus Brocks erstmals als Hufner  also knapp 40 Hektar, war Claus Brocks zwar bis zum 1. Ja-
              in Rajensdorf  in den Akten erwähnt. Beim Bau des Eider -  nuar 1805 immer noch Leibeigener, gehörte aber innerhalb
              kanals hatten Arbeiter eine Abkürzung durch die zur Brock-  der dörflichen Gesellschaft Rajensdorfs zu den Honoratioren.










































              Karte der Dorfschaft Radenstorff (Rajensdorf) von 1780. Sie entstand beim Bau des alten Eiderkanals in der Kanzlei Thiessens, einem der
                fähigsten Vermesser und Kartographen der damaligen Zeit. Dank der ausgezeichneten Reproduktion des Landesarchivs in Schleswig sind
                viele Details erkennbar. Die Karte ist „gesüdet“. Anders als auf heutigen Karten ist der Süden also oben und der Norden unten. Mit dem
              schwarzen Balken unten (nördlich des Dorfes) ist ein steiler Hang vom Dorf herunter in das Tal der Levensau bzw. später des Kanals ange-
              deutet. Über diesen Hang vom Dorf  in die Talwiesen ist ein Pfad zu erkennen. Das Dorf lag an einem Durchgangsweg, der durch das Dorf
              weiter in Richtung auf den Reimershof führte. Im Dorf gab es 1803 vier Vollhufen, eine Halbhufe und sieben Kätnerhaushalte mit zusammen
              80 Einwohnern. Mit Dank an das Landesarchiv in Schleswig (Abt 402 A21 Nr. 10)
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