Quarnbek 49

7 C HRONIK Die Freude über die neuen Fenster teilten offenbar nicht alle. Einem der Kritiker gibt Pastor Kobold in seiner Kirchenbe- schreibung von 1989 in einer für Pastor Harmsen nicht gerade schmeichelhaften Fußnote Raum: „Gegen diesen billigen kunstgewerblichen Zierrat meldete am 7.10.1909 der Kieler Stadtbauinspektor C. Meyer wohlbegründete Bedenken an; sein Brief wie die bissigeAntwort des Pastors vom 8.10. findet sich im Pfarrarchiv“ (Flemhuder Hefte 1, S. 50 unter unter a). Gerne hätte ich hier den Inhalt der offenbar konträren Schrei- ben dargestellt; doch im Archiv des Kirchenkreises Althol- stein in Neumünster, wo inzwischen auch die Archivalien der Kirchengemeinde Flemhude lagern, sind diese Briefe leider nicht vorhanden. Meine anschließende Recherchen nach dem Verbleib schriftlicher Unterlagen im Nachlass von Pastor Ko- bold, unter denen sich vielleicht auch noch Material aus der Bearbeitung von Flemhuder Hefte 1 befinden könnte, brachte ein eindeutiges Ergebnis: Bis auf persönliche Briefe wurden nach dem Tod des Pastors 1999 alle Schriftstücke entsorgt. Der Kritiker Carl Meyer war nicht nur Stadtbauinspektor, sondern laut Wikipedia auch Schriftführer im 1908 gegrün- deten Schleswig-Holsteinischen Landesverein für Heimat- schutz. Das erklärt vielleicht auch seine ablehnende Haltung gegenüber der Flemhuder Glaskunst. Die Heimatschutzbe- wegung setzte sich unter dem Eindruck der zunehmenden Industrialisierung und der Herstellung von Massenwaren vor allem für einen traditionellen einheimischen Baustil ein und lehnte den Stilmix der damaligen Gründerzeit ab. Der von Meyer heftig kritisierte „Zierrat“ wurde im Sep- tember 1910 durch ein drittes Fenster ergänzt. Der „Betrag für ein neues Kirchenfenster mit dem Medaillonbild des Evangelisten Johannes in der Höhe von 170 M“ wurde laut Harmsens Chronikeintragung „von einem ungenannt bleiben wollenden Geber geschenkt…“. Als der ehemalige Quarnbeker Gutsinspektor Ernst Jensen im Juni 1914 verstorben war, schenkte dessen in Berlin le- bender Sohn zum Andenken an seinen Vater „das noch feh- lende der 4 bunten Fenster um den Altar mit dem Bild des Evangelisten Matthäus“, wie der Pastor notierte. Im Gegensatz zu den Mißfeldt-Bildern an der Empore der Flemhuder Kirche, vor allem Propheten und Apostel, sind die Evangelistenbilder trotz der Renovierung von 1962 sicht- bar geblieben. Entsprechend dem Zeitgeist damaliger Kir- chenrenovierungen in Schleswig-Holstein wurden allerdings die umgebenden Glasflächen mit dem rahmenden Ranken- muster entfernt – sicher nicht nur aus Platzgründen. Die nun im Kirchenschiff zu sehenden Mittelfelder der ursprüng- lichen Fensterflächen können dafür umso besser betrachtet werden. Das Licht bringt auch die den Evangelisten seit dem 4. Jahrhundert traditionell zugeordneten Symbole zur Geltung: ein (geflügelter) Mensch für Matthäus, ein Löwe für Markus, ein Stier für Lukas und ein Adler für Johannes. Diese Erkennungszeichen haben ihren Ursprung in Texten des Alten und des Neuen Testaments. In Fenstern der Südseite: Matthäus mit dem Menschen als Symbol und Johannes mit dem Adler In Fenstern der Nordseite: Lukas mit dem Stier als Symbol und Markus mit dem Löwen

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