Quarnbek 49

6 C HRONIK Stark farbige Ausstattungsstücke finden sich in der Flemhu- der Kirche seit der Renovierung von 1962 kaum noch. Des- halb fallen die Glasbilder mit Porträts der vier Evangelisten ins Auge – vor allem bei entsprechendem Lichteinfall. Vor den Fenstern der Nord- und Südwand des Kirchenschiffes hängt diese Glaskunst erst seit dem Jahr 2000. Davor wa- ren sie, von der Wirkung her wenig überzeugend und auch gefährdet, in die Zwischentür zum Kirchenraum eingelassen Auch das war keineswegs der Ort, für den die Evangelisten- bilder geschaffen wurden. Pastor Harmsen schrieb 1908/09 in seiner Chronik: „Zur Ausschmückung der Kirche haben Frl. Helene Tiemann in Flemhude und die Lehrerin Frl. Mar- tha Ruhsert in Melsdorf allmählich 180 M gesammelt. Der Kirchenvorstand beschließt nach Verhandlungen mit einer erstklassigen Firma für Glasmalerei, Hoflie- ferant Ferd. Müller in Quedlinburg, dessen Vorschlägen folgend, für die 4 kahlen Fenster um den Altar allmäh- lich 4 möglichst wenig dunkelnde Fenster mit Medaillonbildern der 4 Evangelisten anzu- schaffen, innerlich wie äußerlich zu dem Altar im Barockstil mit der Darstellung aus der Pas- sion Christi passend.“ Dass diese Buntglasfens- ter wenig „dunkelnd“ sein sollten, war sicher durch die damalige Kirchenrenovierung be- gründet. Die Gemeinde- glieder waren seit 1907 Zeugen einer gravie- renden Veränderung der farblichen Gestaltung des Kirchenraumes. Der bis dahin helle Innenraum war vor allem durch einen blau-schwarzen Anstrich fast aller Ausstattungsgegenstände, aber auch durch Bemalung der Wände und rechts und links der Kanzel einge- baute dunkle Teppichmusterfenster, gestiftet von Frau „Guts- besitzer“ Milberg, geb. v. Funcke, in „würdige“ Dämmerung getaucht worden (siehe dazu Hermann Kobold, Flemhuder Hefte 1, S.49f.). Damit es keine Irritation gibt, sei angemerkt, dass Fräu- lein Tiemann, Lehrerin in Flemhude von 1902-1924, in den Schulakten nicht mit dem in der Kirchenchronik verwende- ten Vornamen Helene sondern mit dem Namen Martha ge- führt wird – die Lehrerin Ruhsert, in Melsdorf von 1901- 1925, mit dem Vornamen Wilhelmine statt Martha. Pastor Harmsen vermerkte zu dem Beschluss außerdem: „Im März 1909 wird das erste dieser Fenster, St. Markus, für 170 M nebst Rahmen und Schutzgitter erworben und erfreut sich vielen Beifalls. Im November 1909 kommt durch Schen- kung eines ungenannt bleibenden Gemeindegliedes als ein Dankopfer das zweite Fenster, St. Lucas, hinzu, ebenfalls für 170 M“ – und vermutlich auch wieder zumWohlgefallen der Gemeinde. Diese beiden Glasfenster füllten die Öffnungen neben dem Altar: links Markus und rechts Lukas. Angeblich kunstgewerblicher Zierrat erfreute sich vielen Beifalls – Recherche zur Herkunft der Evangelisten-Medaillons in der Flemhuder Kirche Von 1962 bis 2000 waren die vier Evangelistenmedaillons in der Zwischentür zum Kirchenraum eingelassen (Foto von 1964). Eine der beiden Glasscheiben in sogenanntem Teppichmuster, die von 1908 bis 1962 in den Fenstern rechts und links der Kanzel angebracht waren. Die beiden Fenster mit den Evangelisten Markus (li.) und Lukas (re.) aus dem Jahre 1909 an der Altarwand (Foto von 1938). Details aus dem Foto oben

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