Quarnbek 49
14 N ATUR UND U MWELT In diesen Tagen kommen sie endlich aus ihrenWinterquartie- ren in Afrika zurück und sind ein untrügliches und freudiges Zeichen dafür, dass der Frühling begonnen hat! Als reine In- sektenfresser mussten sie in den Wintermonaten diese weite Reise zurücklegen, weil sie bei uns dann keine Nahrung fin- den. Jetzt fangen sie bald mit dem Nestbau und der Brut an. Kurz vorgestellt – Unsere Schwalbenarten In Deutschland brüten vier verschiedene Schwalbenarten, die sich in Aussehen, Lebensweise sowie Bauart der Nes- ter deutlich voneinander unterscheiden. Am häufigsten trifft man die Mehlschwalbe, sie brütet gerne an Gebäuden unter- halb der Dachtraufe, wo sie sich ihr Nest aus Lehm selbst baut. Sie lassen nur ein kleines Einflugsloch frei, damit die Jungvögel bestmöglich vor Fressfeinden geschützt sind. Mehlschwalben erkennt man an dem weißen Oberschwanz- bereich, welcher im Flug sehr auffällig ist, dem weißem Bauch und der weißen Kehle. Nach einem alten Märchen ist die Mehlschwalbe einst in einen großen Mehlsack gefallen und hat daher ihre Färbung erhalten. Sie brüten gerne an höheren Gebäuden am Stadtrand und in Dörfern. Rauchschwalben hingegen bauen ihr Nest am liebsten auf Bauernhöfen in Viehställen, wo sie durch offene Fenster und Türen ein- und ausfliegen. Aber auch Reithallen, Dielen, Schuppen und neuerdings auch Bushaltestellen sowie Car- ports werden angenommen. Hier bauen sie ihr nach oben of- fenes, schalenfömiges Nest gerne auf Querbalken oder Vor- sprünge. Die typischen Erkennungsmerkmale sind der sehr lange, tief gegabelte Schwanz und die rostrote Kehle. Als weitere, aber seltenere Art kommt bei uns noch die Ufer- schwalbe vor, welche lange Röhren in die hohen Abbruch- kanten der Ostseeküste sowie steile Flussufer und Sand- gruben baut. Sie ist die kleinste Schwalbenart und hat ein braunes Gefieder mit weißer Unterseite. Als vierte Art sei noch die Felsenschwalbe erwähnt, welche allerdings nur im Alpenraum brütet. Negative Bestandstrends bei allen Arten Schon seit vielen Jahren werden alle Schwalbenarten aber immer seltener. Bei Rauch- und Mehlschwalben wird schon seit den 1960er Jahren ein bedrohlicher Rückgang fest- gestellt, der Bestand hat sich mehr als halbiert! Die Ursa- chen für die Bestandseinbußen sind bei der Rauchschwalbe insbesondere der Rückgang der Weidetierhaltung und klein- bäuerlichen Landwirtschaft sowie der Verschluss modern- er Stallgebäude. Neben dem Verlust geeigneter Brutplätze spielt auch das verminderte Nahrungsangebot ein wichtige Rolle: Schwalben ernähren sich ausschließlich von Insekten, v.a. Fliegen und Mücken. Diese finden sie bevorzugt dort, wo Nutztiere weiden. Doch überall dort, wo Landwirte durch die sinkenden Milchpreise ihre Tiere verkaufen mussten und jetzt Mais für Biogasanlagen anbauen, sind viele Wohnstät- ten der Schwalben verloren gegangen. Viele Rauchschwal- ben sind nun in akuter „Wohnungsnot“ und suchen sich neue Quartiere – etwa in dörflichen Wohngebieten. Dort sind sie aber leider häufig nicht erwünscht, weil einige Menschen Verschmutzungen befürchten. Dadurch werden jedes Jahr unnötig viele Nester – verbotenerweise – zerstört. Mehlschwalben leiden besonders unter der zunehmen- den Bodenversiegelung und dem Mangel an unbefestigten, sandigen Wegen. Sie benötigen allerdings feuchten Ton und Schlamm zum Bau ihrer Nester und werden vielfach nicht mehr fündig! Als weitere Rückgangsursache ist auch hier leider festzustellen, dass viele Menschen die Nester der Mehlschwalben an ihren Häusern nicht dulden und re- gelmäßig abschlagen. Unter dem Mangel an Insekten leidet auch diese Schwalbenart. Durch die moderne Landwirtschaft mit hohem Pestizideinsatz, Monokulturen und der intensiven Ausnutzung jedes Quadratmeters verschwindet weiträumig das Nahrungsangebot. Zusätzlich fordert der weite Flug in die afrikanischen Winterquartiere hohe Verluste durch direk- te menschliche Verfolgung oder Folgen des Klimawandels wie Ausdehnung der Wüsten, Dürren, Extremwetterlagen. Können wir Schwalben schützen? Ja, definitiv! Schwalben benötigen Schutzmaßnahmen, damit wir uns weiterhin an diesen lebensfrohen Vögeln erfreuen können. Die geschickten Flugkünstler brauchen vor allen Dingen viele Menschen, die ihnen positiv gesonnen sind und es als etwas Besonderes anerkennen, wenn die Mehlschwal- ben unter ihrem Dach oder die Rauchschwalben im Carport brüten. „Schwalben bringen das Glück erst ins Haus“ hieß es schon in früheren Zeiten, und „Wo die Schwalbe nistet, dort kein Unglück fristet“ besagt ein altes Sprichwort. Wenn wir einige Kotbretter etwa einen halben Meter unter den Schwalben sind die schönsten Frühlingsboten und Glücksbringer
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