Quarnbek 47

11 C HRONIK Auf Veranlassung von Pastor Pinn konnte 1933/34 in Flem- hude doch wieder eine Schwesternstation eingerichtet werden. Dafür wurde die ehemalige Wagenremise/Scheune des Pastorats zur Schwesternwohnung umgebaut. Sehr wahrscheinlich hat die Diakonisse Dora Lausen (in Flem- hude 1933-1957) auch die Pflegeutensilien der Magarethen- spende genutzt, vielleicht sogar noch ihre Nachfolgerin, die DRK-Schwester Gertrud Witulski (1957-1969 in Flemhude). Die DRK-Schwester Catrin Krause (aktiv von 1969-1979) arbeitete dann vermutlich unter anderen wirtschaftlichen Voraussetzungen, so dass die Margarethenspende nicht nur in Flemhude endgültig in Vergessenheit geriet. Bei der Spurensuche nach dem Verbleib des Schrankes Nr. 256 kommt erschwerend hinzu, dass nicht nur die Schwestern- wohnung im heutigen Gemeindehaus 1969 im Rahmen eines Umbaus aufgelöst wurde, sondern das Flemhuder Pastorat 1968 leider abgerissen wurde. Ob es damals noch den Mar- garethenschrank von 1905 gegeben hat, wird sich wahr- scheinlich nicht mehr klären lassen. Im Dithmarscher Landesmuseum, wo einer der Schränke zu sehen ist, wird auf der Tafel mit Erklärungen zur Entste- hungsgeschichte der Spende resümiert: „Heute, wo fast jeder Fieberthermometer, Wärmflasche und Bettwäsche zum Wechseln besitzt und Schwerkranke im Krankenhaus ver- sorgt werden, braucht man die alten Margarethenschränke nicht mehr. Indem Gemeindesozialstationen Krankenbetten und Rollstühle verleihen, lebt die Idee jedoch weiter.“ Text: Gerlind Lind Fotos: Archiv AG Dorfchronik (1), Gerlind Lind (10) Die Margarethenspende findet sich sogar im Wappen dieser Gemeinde, in dem sich mittig die typische Kontur des großen Schrankaufsatzes befindet. Seit 1905 stand einer der Margarethenschränke auch in Flemhude. Unter dem 1. Mai 1905 schrieb Pastor Harmsen in die Kirchenchronik: „Milberg schenkt auch (bis auf den Beitrag der Landesversicherungsanstalt, 60 M.) eine Marga- ret(h)enspende.“ Dieser für heutige Leser nicht leicht zu in- terpretierende Satz gehört zu einem weiteren besonderen Ereignis, das an gleicher Stelle in der Chronik festgehalten ist: „Für die Kirchengemeinde werden zwei Diakonissen aus dem Flensburger Hause als Gemeindeschwestern angestellt.“ Die Kosten für die beiden übernahm nicht die Kirchenkasse, sondern diese wurden im Gutsbezirk „durch freiwillige Bei- träge des Besitzers von Hohenschulen und Marutendorf, Graf v. Plessen-Cronstern in Stuttgart, der Landgemeinde Melsdorf, verschiedener Eigentümer in Achterwehr und schließlich des Besitzers von Quarnbek, Herr Milberg, von dem die ganze Anregung ausgegangen ist und der auch die Wohnung, ein bisheriges Landinstenhaus in Flemhude, zur Verfügung stellt, aufgebracht.“ Dieses Haus steht noch heute im Lindenkamp (Nr.11 – siehe dazu Flemhuder Hefte 3, 1992, S. 18-20). Dort wohnten die Diakonissen bis 1920. Damals wurde die Gemeindeschwes- ternstation wegen stetig steigender Kosten in wirtschaftlich schwierigen Zeiten geschlossen. In dem Haus stand sicher auch die von Oscar Alexander Milberg finanzierte Marga- rethenspende als wichtiges Hilfsmittel der täglichen Arbeit der beiden Gemeindeschwestern. Gerade der ländlichen Bevölkerung mangelte es damals vor allem an dem notwen- digen Geld, um sich selber solche Krankenpflegeartikel kaufen zu können. Erst ab 1911 gab es für die Landbevölkerung auch eine Ver- sicherung für Arzt- und Arzneikosten. Deshalb unterstützte u.a. die erst einige Jahre zuvor im Zusammenhang mit dem Aufbau eines gesetzlich geregelten sozialen Versiche- rungssystems gegründete schleswig-holsteinische Landes- versicherungsanstalt die Neuanschaffung dieser Schränke mit jeweils 60 Mark, was auch Pastor Harmsen extra er- wähnt. Aus dem alphabetischen Verzeichnis im Buch von Sabine Zessin (S.149) geht übrigens hervor, dass nach Flem- hude – sicher per Bahn – die Margarethenspende Nr. 256 geliefert wurde. Im Flemhuder Pastorat (1883-1968) wurde 1920 der Flemhuder Margarethenschrank untergebracht. In diesem Haus im Lindenkamp in Flemhude wurde 1905 die Gemeindeschwesternstation eingerichtet. Es ist doch im April fürwahr, der Frühling weder halb noch gar! Komm Rosenbringer, süßer Mai, komm du herbei! So weiß ich, daß es Frühling sei. Eduard Mörike (1804 - 1875)

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