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8 CHRONIK
Eine Schiffshavarie auf dem Schleswig-Holsteinischen Kanal bei der Brücke
Landwehr im Jahre 1836
Im Frühsommer des Jahres 1836 krachte der Schiffer Lenger drei Pferde, die das Schiff auf dem Treidelweg am nördlichen
mit seinem Schiff „Johannes“ in die Brücke Landwehr. Die Kanalufer zogen, wechseln lassen. Der Pferdeknecht treidel-
Brücke überspannte den Schleswig-Holsteinischen-Kanal, te das Schiff am Gut Groß Nordsee vorbei und erreichte
den zwischen 1777 und 1784 erbauten Vorgängerbau des dann die Ausbuchtung am nördlichen Ende des Flemhuder
Nord-Ostsee-Kanals, und verband die Herzogtümer Schles- Sees. Als das getreidelte Schiff sich der Brücke in Landwehr
wig und Holstein. Wie war es zu der Havarie gekommen? näherte, wunderte sich der dortige Brückenwärter Jacob Tan-
Lenger befand sich mit seinem Schiff auf dem Weg vom tau darüber, dass der Schiffer nicht langsamer wurde. Da war
Nordseehafen Tönning über Rendsburg ostwärts nach Hol- es aber schon zu spät, die Kollision mit dem Mauerwerk der
tenau. Wie üblich hatte er bei der Schleuse Kluvensiek die Brücke und eine Beschädigung des Schiffes unvermeidlich.
Der Pferdeknecht hatte – wie gewohnt – die Pferde abge-
spannt und war davon ausgegangen, dass ein Schiffer ohne
Lotsen an Bord schon wissen müsse, dass die Brücke nicht
sofort hochgezogen werde und das Schiff zunächst festge-
macht werden müsse.
Das Dokument gibt einen lebhaften Eindruck von dem Be-
trieb an der Brücke in Landwehr und soll den Anlass zu einer
genaueren Beschreibung geben: Über den Bau der Brücke
gibt es einen Hinweis in einem 1781, also vor Inbetriebnah-
me des Kanals im Jahre 1784, unter dem Titel „Ueber die
Vereinigung von Ost- und West-See durch Grabung eines
schiffbaren Canales“ erschienenen Artikels. Der Autor
„F.E.C.“ beschreibt zunächst die Brücke in Suchsdorf. Dort
sei eine „vortreffl iche Brücke über den Canal erbauet. Sie
besteht aus zwey von gehauenen Felsenstücken erbauten,
sich gegenüberstehenden breiten Pfeilern, die beinahe die
Form eines halben Mondes haben, der vorne durch eine
gerade Linie abgestumpfet ist, über welche eine Zugbrücke
liegt. Die Weite zwischen den beiden Pfeilern, durch welche
Der Bildausschnitt aus einer Arbeit Hornemanns aus dem Jahre
1850 zeigt ein mit vier Pferden bei Steinwehr in Richtung Wes- die Schiffe gehen müssen, ist wie bei den Schleusen 26 ½
ten auf dem Schleswig-Holsteinischen Kanal getreideltes Schiff. Fuß (=knapp 8 Meter). Sie ist mit solcher Solidität erbauet,
(Archiv des Verfassers) daß die Festigkeit für eine halbe Ewigkeit zu halten scheint.
Eine Stunde weiterhin bey
der sogenannten Landwehr,
nahe beym Flemhuder See
wird eben so eine Brücke
erbauet, deren Bau auch
schon beinahe geendigt ist.“
Spätestens 1782 war die
Brücke bei Landwehr also
fertiggestellt.
Die Beschreibung des „F.
E. C.“ liefert ein weiteres
Detail, von dem aber nicht
sicher ist, ob es später tat-
sächlich in Gebrauch war.
Der Autor berichtet, der
nördlichste Zipfel des Flem-
huder Sees sei durch einen
Damm vom See abgetrennt
worden. Über Durchlässe in
dem Damm sei der Wasser-
spiegel des Kanals geregelt
worden. Das System von
Westensee, Eider und Flem-
Die Brücke Landwehr 1890/91 kurz vor dem Abriss: Auffahrt von der Nordseite. Auf der gegenüberliegen-
den Seite, am Südufer des Schleswig-Holsteinischen-Kanals, ist die Wirtschafts- und Verwaltungsbaracke huder See speiste also den
des Lagers für die Arbeiter zum Bau des Nord-Ostsee-Kanals erkennbar. (Deutsche Illustrirte Zeitung, Kanal und sorgte für einen
Bd. 65, 1891, Nr. 7, S. 144, Archiv d, Verfassers) stabilen Wasserspiegel.

