Page 6 - Quarnbek 55
P. 6

6                                                                                           CHRONIK


          Ölverschmutzung des Flemhuder Sees im Zweiten Weltkrieg

          Als im Frühjahr 2018 bei den Vorbereitungen zur Verbreite-  die Anlage am  Westufer des Flemhuder Sees gegeben zu
          rung des Nord-Ostsee-Kanals mit ersten Ausbaggerungen im   haben. Im Bericht heißt es: „Die Marine hat am Westufer
          Flemhuder See begonnen wurde, wurde auf dem Seegrund   des Sees eine bedeutende Ölreinigungsanlage erbaut, durch
          eine massive Verschmutzung mit Schweröl festgestellt. Der   die das bei der gesamten Marine (auch in den besetzten Ge-
          Baubevollmächtigte des Wasser- und Schiffbauamtes führte   bieten) gesammelte verschmutzte Öl durch ein kompliziertes
          die Verunreinigungen auf Sprengungen der Briten im Be-  Verfahren von anderen Beimengungen wie Benzin, Dieselöl
          reich des Ölhofes der Kriegsmarine am Westufer des Sees   und dergleichen getrennt und gereinigt wird. Die Anlieferung
          bei Kriegsende zurück. Diese sehr unpräzise Auskunft gibt   des verschmutzten Öls erfolgt teils auf dem Wasserwege, teils
          bestenfalls einen wenig aussagekräftigen Hinweis auf die   per Eisenbahn.“ In den See solle eigentlich nur Kondens-
          Ursachen.                                            wasser und Grundwasser aus einer Drainage zugeführt wer-
                                                               den. Aber da die Anlage von „unkundigem, ausländischem
          Im Oktober 1942 ging beim Wasserstraßenamt in Kiel-Hol-  Personal“ bedient werde, „kommt es gelegentlich vor, daß
          tenau ein Schreiben des Gewässerwarts des „Sport-Angler-  die Klärbehälter überkochen, und bei diesen Gelegenheiten
          Vereins Flemhuder See“ ein. In dem Schreiben beklagt der   gelangt Öl in die Entwässerungsleitung und durch diese in
          Sportangler den Zustand des Sees. Seit etwa sechs Wochen   den Wasserlauf.“
          sei der See massiv durch Brennstoffe und Ölabfälle ver-
          schmutzt, auch der Kaiser-Wilhelm-Kanal sei betroffen.   Das Schreiben an das für das Bauvorhaben zuständige Ha-
          Millionen von Jungzandern und Jungbarschen, die im See   fenbauamt der Kriegsmarinewerft in Kiel war unmissver-
          ihre Kinderstube hätten, seien zum größten Teil vernichtet   ständlich: Die Marine wurde ersucht, die Einleitung des Öls
          worden. Auch das Laichgeschäft im Reet, sei durch die Öl-  unverzüglich einzustellen. Außerdem war festgestellt wor-
          verschmutzung erheblich geschädigt. Das habe auch für den   den, dass für die Genehmigung der Abwassereinleitung nicht
          Fischbestand im Kanal ernste Folgen. Gewässerwart Griep   einmal ein Antrag gestellt worden war. Kleinlaut entschul-
          fügt an, dass dieser Zustand im Sinne der Sicherung der   digte der verantwortliche Regierungsbaurat die Unterlas-
          „Volksernährung“ dringend abgestellt werden müsse.   sung mit Personalmangel. Erst im Mai des folgenden Jahres


          Griep nennt in seiner
          Beschwerde auch eine
          Erklärung für die Ölver-
          schmutzung. Am Westufer
          des Sees werde Öl gerei-
          nigt und der schmutzige,
          mit Petroleum vermeng-
          te  Abfall werde in den
          See geleitet. Das  Was-
          serstraßenamt nahm das
          Schreiben sehr ernst und
          setzte bereits für  Anfang
          November eine Ortsbe-
          sichtigung an. Neben dem
          Wasserstraßenamt waren
          auch das Fischereiamt für
          die Binnengewässer und
          der Angelverein  vertre-
          ten. Kurzfristig war auch
          ein  Vertreter der Marine-
          Bauabteilung Flemhuder
          See hinzugezogen worden.
          Die Besichtigung bestätig-
          te die Klage des Gewäs-
          serwartes des  Angelver-
          eins vollständig. Der See
          „zeigte überall eine ölige
          Oberfl äche“ heißt es im
          Bericht des  Wasserstra-  Abb 1: Die Aufnahme der britischen Luftaufklärung vom 8. Mai 1944 zeigt am Westufer des Flemhuder Sees
          ßenamtes.               die Ölreinigungsanlage der Kriegsmarine. In den See ragt die Baustoff-Löschbrücke (5) hinein. Direkt an
                                  der Zufahrt zur Ladebrücke befi ndet sich das Pumpenhaus (6). Von dort zum Aufbereitungsgebäude (4) war
                                  eine Zu- und Abwasserleitung verlegt, die auch wiederum verbunden war mit dem Aufbereitungsgebäude
          Der Vertreter der Marine-
                                  (3) und den Behältern für Schmieröl (2) und Heizöl (1). Zwischen(4) und (6) verläuft von Südsüdwest nach
          Bauabteilung scheint recht   Nordnordost die Ölbahn, auf der die Kesselwagen als schwarze, zuweilen unterbrochene Linie zu erkennen
          freimütig Auskunft  über   sind. (Foto University of Keele)
   1   2   3   4   5   6   7   8   9   10   11