Quarnbek 48

Am 24. Juni 1892 verfasste Inspektor Friedrich Beuck auf Hohenschulen den wöchentlichen Bericht an seinen Guts- herrn, den ehemaligen Oberpräsidenten der preußischen Provinz Schleswig-Hol- stein, Carl Graf Scheel-Plessen, der zur Erholung nach Italien gereist war. Dabei berichtet er von einem Ereignis aus der direkten Nachbarschaft Hohenschulens. Am vergangenen Sonntag, als es über- haupt nicht nach einem Gewitter aus- gesehen habe, sei aus einer unscheinbar wirkenden grauen Wolke der Blitz in die große Scheune auf Quarnbek eingeschla- gen. Die Hofscheune habe sofort in hel- len Flammen gestanden. Nach der gro- ßen Scheune auf Gut Noer sei die Quarn- beker wohl die höchste im ganzen Lande gewesen. Der Bau gehe zurück auf den inzwischen verstorbenen Pächter Hil- mers, der „stets etwas darin gesucht hat, so große Gebäude zu bauen.“ Inspektor Beuck schließt mit der Bemerkung, der Brand habe sich sicher gelohnt, denn die Scheune sei hoch versichert gewesen und könne nun leicht durch ein glattes Pappdach wieder in Ordnung gebracht wer- den. Neben dem Hinweis auf den vielleicht entscheidenden Anstoß zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Quarnbek 1893 – also ein Jahr nach diesem Feuer – ist der Bericht ein Beleg für ein außergewöhnliches Bauwerk in der Quarnbeker Hofanlage. Noch ein weiterer Nachbar Quarnbeks war so beeindruckt von der Hofscheune, dass er ihr eine Beschreibung gewidmet hat. Wilhelm Hirschfeld, Besitzer des Gutes Groß Nordsee, hat 1847 einen „Wegweiser“ für die 2500 Teilnehmer der XI. Versammlung deutscher Land- und Forstwirte in Kiel verfasst. Auch Hirschfeld schreibt den Bau der Hofscheu- ne der Initiative des Pächters Hilmers zu. Gemeint ist sehr wahrscheinlich Hinrich Detlef Hilmers jun., der um 1800 von seinem gleichnamigen Vater den Haupthof Quarnbek als Pächter übernommen hatte. Detlef Hinrich Hilmers jun. (1777 – 1843) war zwischen 1802 und 1819 auch Besitzer des Gutes Noer. Dort habe er sich ein Denkmal „in einem kolossalen Gebäude gesetzt, in dem unten die Kühe stehen und in dessen oberer Etage eingefahren und gedroschen wird. Dieses große Gebäude ragt in der Umgegend weit hervor, indem es auf einer Erhöhung aufgerichtet ist.“ Als Landwirt beurteilt er die Quarnbeker Hofscheu- ne durchaus kritisch, denn es sei sehr beschwerlich, sie bis unters Dach anzufüllen. Eine Kette von 14 Mann sei erforderlich, um Stroh und Heu bis unters Dach zu staken. In dem Gebäude befinden sich drei Querdielen zum Dreschen und eine Langdiele, auf der das gedroschene Stroh abge- legt wird. Hirschfeld fährt dann mit der Beschreibung fort: „Eingeschlossen durch diese 4 Dielen sind zwei Quadrate, in welchen 144 Kühe Raum haben; diese Stände der Kühe, wel- che mit der künstlichen Wasserleitung zum Tränken, mit den Futterdielen u. s. w. außerordentlich schön eingerichtet sind, worin die Kühe so warm stehen, wärmer als in einer geheiz- ten Stube, liefern den Beweis, wie gut ein warmer Stand für Rindvieh ist. [ … ] In diesen Räumen hat Herr Hilmers ei- nige Verschläge für die Säue machen lassen, in denen kleine Öffnungen sind, durch welche die Ferkel laufen können, die in der schönen warmen Temperatur ein herrliches Gedeihen haben. Die Ferkel springen hinter, zwischen, und wenn die Kühe liegen, oft auf denselben herum, daß es närrisch an- zusehen ist; und doch soll erst einmal ein Ferkel durch die Kühe erdrückt worden sein.“ Wann das Ende der imposanten Hofscheune gekommen war, ist nicht vollständig sicher zu entscheiden. In den Jahren 1895 und 1904 haben zwei weitere Großbrände das Erschei- nungsbild der Hofanlage stark verändert. Am 21. November 1895 hatte der fünfjährige Sohn eines Arbeiters im Kuhhaus mit Streichhölzern gespielt und so das Feuer ausgelöst. Da die Kühe des Gutsbetriebes nicht nur in der Hofscheune, sondern auch in einem separaten Kuhhaus untergebracht waren, ist bei diesem Unglück eher an dieses Kuhhaus zu denken. Auch bleibt der Grad der Zerstörung unklar. 1902 war das Gut in den Besitz Oscar Alexander Milbergs übergegangen. Die Modernisierungen des neuen Eigentü- mers führten zu baulichen Veränderungen und zur Versor- gung der Gutsanlage mit elektrischem Strom durch ein ei- genes Elektrizitätswerk. Der Großbrand von 1904 hat weit- Quarnbeks große Hofscheune – das Wahrzeichen der Gutsanlage im 19. Jahrhundert Friedrich Beuck (1838-1893), Inspektor auf Hohenschulen (Dank an Elisabeth Hilde- brandt geb. Beuck, Flemhude). 6 C hronik Die Quarnbeker Hofanlage um 1850 nach Hornemann: Links, dem „alten“ Herrenhaus gegenüber, ist die Meierei zu erkennen, dahinter die große Hofscheune. (Dank an die Lan- desbibliothek in Kiel)

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