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CHRONIK 15
beide in Holtenau auf der Schleuse den Beruf des Schlossers.
Diese Anlage war technisch so sensationell, dass bei der
Weltausstellung 1893 in Chicago ein riesiges Modell der
Holtenauer Schleuse gezeigt wurde. Karl fuhr 1894 kurzzei-
tig auf dem Schiff „Paul“ als Heizer zur See, arbeitete danach
ab 1895 auf der Kaiserlichen Werft, nach dem ersten Welt-
krieg umbenannt in Deutsche Werke Kiel. Im Alter von 50
Jahren wurde er als Mitglied der Kieler SPD wegen „Aufwie-
gelei“ von der Werft „freigestellt“.
Friedrich Wilhelm, Großvater von Hartmuth, war weiterhin
als Schlosser auf der Schleuse geblieben. Er wohnte mit sei-
ner Frau Hedwig, 1883 in Wolgast geboren, in Holtenau in
der Gravensteiner Straße nahe dem Kanal. 1904 hatten sie in
der Holtenauer Dankeskirche geheiratet. Diese Kirche war ab
1897 als Dank für die Vollendung des Kanals errichtet wor-
den. Ihr hoher spitzer Turm wurde 1935 wegen des Flugha- Abb. 3: Fährwärterhaus „Am Fährberg 33“, erbaut 1890
fenbaus durch einen niedrigeren ersetzt – nach Plänen des
milie Gnutzmann ein, in Quarnbek noch bekannt durch die
auch in Quarnbek bekannten Architekten Ernst Prinz. Das
ehemalige Kohlenhandlung in Strohbrück gegenüber der
Ehepaar hatte drei Kinder: Wilhelm, geboren 1907, Bruno,
Schule. Bruno erlernte das Sattler- und Tapezierhandwerk.
der Vater von Hartmuth Jegliewski, geboren 1908 und Erika,
Wilhelm und Bruno waren 1926 im Gasthaus Landwehr auf
geboren 1913.
der Nordseite des Kanals Gründungsmitglieder des Turn- und
Sportvereins Landwehr, der bis 1939 bestand.
In Holtenau, das 1922 nach Kiel eingemeindet worden war,
eröffnete Bruno 1933 in der Richthofenstraße 30 ein Ge-
schäft mit Werkstatt. 1933 heiratete er außerdem seine Frau
Aline, geboren 1914. Später wurde der Geschäftsbetrieb in
die Richthofenstraße 60 verlegt, in die ehemalige Scheune
des Hotels „Zur Hochbrücke“. Die Wohnung der Familie be-
fand sich in der umgebauten Kegelbahn. 1939 wurde die
Tochter Brunhilde geboren, die später das Geschäft der El-
tern übernahm. Weil Kiel im Zweiten Weltkrieg immer wie-
der von Bombenangriffen betroffen war, ging die schwangere
Aline 1944 zur Geburt von Hartmuth zu den Schwiegereltern
nach Landwehr in das Haus „Am Fährberg 33“. Die Groß-
Abb. 2: Kettenfähre Landwehr – 1914 bis 1965
mutter von Hartmuth Jegliewski war offenbar bei Geburten
ein guter Beistand, denn auch die übrigen Enkelkinder erblick -
1918 wurde Friedrich Wilhelm von der Kanalverwaltung auf
ten in diesem Haus das Licht der Welt.
die Kettenfähre nach Landwehr versetzt. Der damals 11-jäh-
rige Sohn Wilhelm erinnerte sich noch siebzig Jahre später an
den Umzug: „In einem hölzernen Prahm, der von einem mit
Dampf betriebenen Schlepper gezogen wurde, ging es auf
die 10 km lange Reise nach Landwehr… Hier in Landwehr
war Vater als Fährmaschinist tätig und hatte für den Lösch-
und Ladeplatz die Kontrolle der anliegenden Schuten und
Frachtkähne… Die Fähre war ortsgebunden, sie zog sich an
einer starken Gliederkette… über den Kanal hin und her. Der
Motor war ein elender Stinker, der einen enormen Krach
machte“ (Manuskript von 1988 im Archiv der AG Dorfchro-
nik). Bis zur Kanalverbreiterung hatte die Fähre als Ziehfäh-
re ohne Motor den Kanal schräg gequert, ab 1914 fuhr sie
senkrecht von Ufer zu Ufer.
Das neue Zuhause der Familie Jegliewski wurde das kanal -
eigene Haus „Am Fährberg 33“, 1890 erbaut als Fährwärter-
Abb. 4: Großvater Friedrich Wilhelm, Onkel Wilhelm, Großmutter
haus, damals in unmittelbarer Nähe zum Lager Landwehr. Hedwig, Vater Bruno, Mutter Aline, Hartmuth Jegliewski
Der Sohn Wilhelm besuchte später in Kiel die Handwerker-
und Kunstgewerbe Schule, wurde Tischlermeister. In Kiel Hartmuth wuchs nach dem Krieg in Holtenau auf, nachdem
ausgebombt siedelte auch er sich nach Kriegsende mit seiner die Eltern, deren Wohnung wie das Hotel „Zur Hochbrücke“
Familie in Landwehr an. Auf dem Grundstück bei der Bus- zerbombt worden war, die ehemalige Wagenremise des Ho-
haltestelle Sturenberg baute er sich aus Kieler Trümmerstei- tels notdürftig ausgebaut hatten. Nach dem Besuch der
nen ein Haus und richtete eine Tischlerei ein. Später war er Mittelschule in der Wik absolvierte er ab 1960 die Ausbil-
als Architekt angestellt. Schwester Erika heiratete in die Fa- dung zum Matrosen – auf der Schiffsjungenschule in Trave-

