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14 CHRONIK
Aus dem Badischen über Masuren Turznica) und Friedrich Wilhelm, geboren 1877 in Arnau
(pol. Ornowo). Zwar liegen auch diese Orte im Kreis Ostero-
an den Nord-Ostsee-Kanal de, aber zumindest in der Familie Jegliewski gab es eine
Binnenwanderung innerhalb der Region.
Eine Quarnbeker Familiengeschichte
Der Urgroßvater von Hartmuth, Friedrich Wilhelm Jegliewski,
Fast täglich erreichen uns Nachrichten von Menschen, die ih- verließ einige Jahre später die ostpreußische Heimat – vermut-
re Heimat verlassen, aus politischen, religiösen oder wirt- lich aus wirtschaftlichen Gründen, vielleicht hatte er sich
schaftlichen Gründen. Solche Wanderbewegungen sind auch außerdem mit dem Grundherrn überworfen. Einschließlich
Bestandteil der Familiengeschichte von Bürgerinnen und seiner Schafherde wanderte er mit seiner Familie in Richtung
Bürgern der Gemeinde Quarnbek – nicht erst durch die Kiel. Dort hoffte er auf Arbeit bei dem geplanten Bau des
Flüchtlingsströme im Zusammenhang mit dem Zweiten Nord-Ostsee-Kanals, dem gewaltigen Vorhaben, das sicher
Weltkrieg, sondern schon weit vorher, wie an einem Beispiel auch in Ostpreußen bekannt war. Im Kreis Osterode hat man
gezeigt werden soll. sich dafür vermutlich besonders interessiert, denn dort war
Grundlage der Darstellung sind Gespräche mit Herrn Hart- 1844-1860 der Oberländische Kanal von Osterode nach Elbing
muth Jegliewski aus Landwehr. Der Familienname ist eng gebaut worden, mit Rollbergen statt Schleusen zur Überwin-
mit diesem Ortsteil verbunden; doch die Wurzeln der Familie dung der Höhenunterschiede – heute eine Touristenattraktion.
liegen im 18. Jahrhundert im Badischen nahe dem Bodensee. Solche nun entgegengesetzte Wanderung von Ost nach West
Diese Vorfahren trugen den Namen Jegli. Noch heute gibt es gab es Ende des 19. Jahrhunderts im Zuge der Industrialisie-
vor allem in der Schweiz diesen Namen in unterschiedlicher rung in großem Ausmaß, vor allem in das Ruhrgebiet. Auch
Schreibweise (Jekli, Jegkli, Jäggli). Die Veränderung des Na- der Bau des Nord-Ostsee-Kanals wäre ohne Arbeiter aus an-
mens Jegli durch die angehängte Endung „ewski“ oder auch deren Regionen und Ländern gar nicht möglich gewesen.
„jewski“ weist darauf hin, dass Angehörige dieser Familie in
die preußische Provinz Ostpreußen ausgewandert sind.
Im Laufe des 18. Jahrhunderts zogen viele Menschen – u.a.
aus Hessen, der Pfalz, aus Württemberg, aus Lothringen, aus
dem Salzburgischen, der Schweiz und aus Baden – in der
Hoffnung auf eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage
und/oder zur Erlangung religiöser Freiheit auch nach Ost-
preußen. Die preußischen Könige, besonders Friedrich II.,
der Große, König von 1740 bis 1786, warben für die Ansied-
lung in dieser Provinz, vor allem mit der Zuteilung von Land.
Das Werben um Zuwanderer zielte auf die Urbarmachung
und dauerhafte landwirtschaftliche Nutzung von Wald- und
Moorflächen. Die Bevölkerung der Provinz Ostpreußen war
nicht nur durch eine große Pestepidemie Anfang des 18. Jahr- Abb. 1: Barackenlager Holtenau
hunderts stark geschrumpft, sondern Preußen war durch eine
weitere Teilung Polens infolge des Siebenjährigen Krieges In Kiel angekommen verkaufte Friedrich Wilhelm seine
(1756-1763) in den Besitz polnischer Gebiete gekommen. Schafherde. Gemeinsam mit seiner Frau Luise wurde er von
Diese sollten nun zur Festigung der Herrschaft mit Menschen der Kaiserlichen Kanalverwaltung angestellt. Ihr Arbeitsplatz
aus anderen Regionen besiedelt werden. war die sogenannte Marketenderei für die Versorgung der
Mitte des 18. Jahrhunderts gab es unter Friedrich V. auch Kanalarbeiter im Lager Holtenau. An der Baustrecke gab es
für Schleswig und Holstein solches Werben um Kolonisten solche Barackenlager an 12 verschiedenen Orten, darunter
aus der Pfalz, aus Hessen, Württemberg und Baden zur auch in Landwehr. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung unter
Urbar machung von Heideflächen und Mooren. Viele dieser den Arbeitern waren diese Lager straff organisiert. Ausein-
Menschen wurden durch die Härte des Arbeitens und die andersetzungen blieben dennoch nicht aus, besonders in der
Lebensumstände in diesen unwirtlichen Gegenden in ihren arbeitsfreien Zeit, wenn auch noch Alkoholkonsum die Emo-
Hoffnungen bitter enttäuscht. tionen anheizte. Positiv bewertet wird, dass für die Menschen
Nicht bekannt ist, ob Familie Jegli sich zu Fuß in einem in den Lagern nicht nur Unterkunft und Verpflegung sicher-
Treck auf den Weg nach Ostpreußen machte und unter wel- gestellt waren, sondern dass es auch eine medizinische und
chen Umständen sie anfangs leben musste – so wie das für seelsorgerliche Betreuung gab.
die Kolonisten, die nach Schleswig-Holstein zogen, dokumen- Familie Jegliewski wohnte nicht in dem Barackenlager. Die
tiert ist. Urkundlich belegt sind die Namen des Kolonisten Kanalverwaltung wies ihnen in Holtenau eine Wohnung zu.
Friedrich Jegliewski und seiner Ehefrau Anna, geb. Studanski, Zugleich bekamen sie eine Schankerlaubnis, so dass sie an
sowie 1845 die Geburt ihres Sohnes Friedrich Wilhelm in Jo- der Ecke Schwester-Therese-Straße (hieß damals Bergstraße)
hannisberg (pol. Janowo). Dieser Ort liegt im masurischen und Johann-Sump-Straße eine Probierstube eröffnen konnten
Kreis Osterode (pol. Ostróda) im Südwesten der Provinz Ost- (dort gibt es noch heute die Gaststätte „Bergklause“). Von
preußen. Friedrich Wilhelm, der Urgroßvater von Hartmuth diesem Ausschank profitierte bald auch Kaiser Wilhelm II.,
Jegliewski, war von Beruf Schäfer und Heizer. Auch dessen der zur Finanzierung des Ausbaus der Kriegsflotte, seinem
Ehefrau Luise, geb. Schröder, stammte aus dem Kreis Oste- Prestigeobjekt, ab 1902 die Schaumweinsteuer auf Sekt und
rode, aus Bogunschöwen (pol. Boguszewo). Das Ehepaar andere Spirituosen erheben ließ.
hatte zwei Söhne: Karl, geboren 1872 in Theuernitz (pol. Die Jegliewski-Söhne Karl und Friedrich Wilhelm lernten

