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CHRONIK 13
tendereien. Wir erfahren von zwei Schustern, die das stark
strapazierte Schuhwerk der Bauarbeiter richteten. Auch zum NOTDIENST
Zeitpunkt der Einweihung des Kanals am 18./19. Oktober
Montage · Wartung · Reparatur
1784 scheint das Lager noch bestanden zu haben. So starb
am 28. Oktober 1784 der Schlachter Friedrich Berend. Über
40 Jahr sei er alt gewesen und habe Frau und vier Kinder
hinterlassen, vermerkt Pastor Möller. Wahrscheinlich ist er
identisch mit dem Marketender Friedrich Behrens, der be-
reits 1778 mit dem Bauunternehmer Kettner mehrfach
schwere Auseinandersetzungen hatte. In einer Beschwerde
Kettners über ihn heißt es: „Es ist der Marquetenter Friedr.
Behrens, welcher nahe bey uns seine Hütte aufgeschlagen,
der bey seiner Marquetentery nicht allein schlechte Ver-
sammlungen, so zur Aufwiegeleien und Liderlichkeiten mit
fremden Frauenzimmern, Nachtschwärmern und groben Eichendorffstr. 64 · 24116 Kiel · Fax 14 15 0
Privat: Stefan Buhmann · Am Landkrug 4
Spiehlen [duldet], es dahin gebracht, dass sie [die Arbeiter]
24107 Quarnbek/Stampe· Telefon 0 4340/90 84
keine Ruhe haben sondern auch in Gefahr stehen, in Feuer
gesetzt und beraubt zu werden. [ … ]“
Der letzte Sterbefall, der mit dem Kanalbau in einem Zu- derung wurde bisher für die Missstände und steigende Zahl
sammenhang steht, ist der der Sophia Banco. Pastor Möller von Todesfällen verantwortlich gemacht.
notierte: „31. März [1785] Sophia Banco, geb. Haaken, die
in Stamp gestorben, da ihr Ehemann 1783 im Canal bei der Mit den neuesten Erkenntnissen britischer, amerikanischer
Landwehr ertrunken ist, hinterlässt 3 Kinder, Dor., Magd., und isländischer Wissenschaftler muss dagegen eine gewal -
Anna, still begraben.“ Aus der Eintragung zu ihrem Ehe- tige Naturkatastrophe im Süden Islands mit Folgen für ganz
mann, Johann Christian Banco, erfahren wir, dass der „Ar- Mittel- und Westeuropa als Ursache für den schlechten Ge-
beiter am Canal“ aus Pasewalk in Pommern stammte. Nach sundheitszustand vieler Arbeiter in Betracht gezogen werden.
dem Tod ihres Mannes am 23. Dezember 1783 scheint sie ge- Auf der Insel im Nordatlantik war im Juni 1783 der Laki-
blieben und nach Stampe gezogen zu sein. Die Bemerkung Vulkan ausgebrochen, hatte die Insel fast unbewohnbar ge-
„still begraben“ bedeutet, dass niemand in der Familie in der macht und über Wochen durch immer neue Ausbrüche Wol-
Lage war, die Extragebühr für eine Leichenrede des Pastors ken von Schwefelgasen nach Zentraleuropa geschickt. Zeit-
aufzubringen. genossen haben auch für Holstein die Wolke und die verhee-
renden Auswirkungen beschrieben. Vulkanologen und
Angaben zur Todesursache finden sich im Sterberegister sel- Klimatologen gehen von einem Zusammenhang zwischen
ten. Hinweise darauf gibt es in den Aufzeichnungen der von den beiden extrem harten Wintern 1783/1784 und 1784/85
der Kanalbauausführungskommission für die gesundheit - und dem Vulkanausbruch aus. Für England ist errechnet wor-
liche Betreuung der Arbeiter angestellten Ärzte. Anstecken- den, dass etwa 20000 Todesfälle dieser Zeit durch die Natur-
de Krankheiten, wie „Bösartiges Gallen-Fieber“, „Faul-Fie- und Umweltkatastrophe verursacht worden sind. Für die
ber“ und „Petechial-Fieber“ werden für die vielen Todesfäl- Arbeiter an den Baustellen des Kanals ist also zu vermuten,
le verantwortlich gemacht. Nachdem 1782 königliche Aus- dass der „Hehrauch“, wie die Schwefelwolke damals ge-
führungskommission die Leitung der Baustellen von den nannt wurde, und die Extremwinter gesundheitliche Schäden
privaten Unternehmungen 1782 übernommen hatte, scheint verursacht und auch den Ausbruch der „Faulfieber“-Epide-
es zu einer rapiden Verschlechterung der Zustände an der mie begünstigt haben.
Baustelle gekommen zu sein. Diese organisatorische Verän- Karsten Dölger
Die Postkarte, die die Schleuse des Schleswig-Holsteinischen Lavafeld des großen Laki-Ausbruchs von 1783 an der Südküste
Kanals bei Gut Knoop zeigt, verdeutlicht Stimmung und Dimensio- Islands (Dank an Reinhard Gast)
nen am Vorgängerbau des Nord-Ostsee-Kanals

